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SNS-Jahresfahrt nach Wittenberg vom 22. – 26. September 2019

Auf die Minute um 7.30 Uhr startete unser Bus am Scheidplatz. In Feucht gab es die erste Pause und unser Fahrer Markus übernahm den Bus für die restliche Zeit. Auch die weitere Fahrt lief ruhig und problemlos, sodass wir bereits um 14.30 Uhr in Wittenberg ankamen.

Wittenberg Asisi-PanometerDie Zimmer waren bezugsfertig, sodass wir uns schon eine gute Stunde später auf den Weg zum nahe gelegenen Asisi-Panometer machen konnten, um uns einen Eindruck von Wittenberg zur Zeit Martin Luthers zu machen. Und wir hatten auch noch ausreichend Zeit, die Schlosskirche zu besuchen, weil die (was sich nachher als falsch erwies) am Montag geschlossen sein sollte. Nach dem Abendessen im Brauhaus führten uns Frau Luther und Frau Cranach durch das abendliche Wittenberg und erzählten uns amüsant und interessant Familien- und Stadtgeschichten aus ihrer Zeit.

Das Lutherhaus in WittenbergMontag früh führte uns unser Stadtführer Silvio zuerst zur Luthereiche, die direkt neben unserem Hotel steht, berichtete uns, dass an dieser Stelle außerhalb der Stadtmauern Luther demonstrativ die Bannbulle verbrannt hat, die der Papst gegen ihn verhängt hatte, und zeigt uns die Spuren eines Versuchs, den Baum abzusägen.
Der Hörsaal mit dem hölzernen Disputationskatheder

Vor dem Lutherhaus trafen wir unsere zweite Stadtführerin Katja und in zwei Gruppen besichtigten wir das Haus, in dem Martin Luther und seine Ehefrau Katharina von Bora gelebt haben. Das ehemalige Augustinerkloster war Wohnhaus der Familie Luther, aber auch Herberge für Studenten, die bei Luthers wohnten und von der geschäftstüchtigen Katharina versorgt wurden.

Die Wohnräume aus der Zeit Luthers sind noch weitgehend erhalten und wir haben sie mit sachkundiger Führung besichtigt. Das Haus ist heute das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Die Stadtkirche St. Marien in Wittenberg In der Stadtkirche gleich hinter dem Marktplatz predigte Luther viele hundert Mal und in ihr befindet sich der Reformationsaltar Lukas Cranach d. Ä. Wer wollte, besuchte in der Mittagspause oder später am Nachmittag das Melanchton-Haus. Das Gebäude ist weitgehend in seinem ursprünglichen Zustand von 1536 erhalten und wir konnten dort viel über das Leben Philipp Melanchtons erfahren.

Statue von Lucas Cranach d. Älteren

 

Auf dem Weg zur Schlosskirche liegen die Cranach-Höfe. Cranach war nicht nur Maler, sondern auch Apotheker, Drucker und Bürgermeister der Stadt. In seiner Malschule wurden rund 5000 Bilder angefertigt, von denen heute in der ganzen Welt noch ca. 1000 erhalten sind.

Die Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg

 

Die Schlosskirche war ursprünglich ein Teil des 1489 von Kurfürst Friedrich III. errichteten Residenzschlosses und wurde 1503 eingeweiht. Martin Luther soll dort nach der Überlieferung am 31. 10. 1517 seine 95 Thesen gegen die Ablasspraxis der katholischen Kirche an der Kirchentür angeschlagen haben. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 19. Jhdt. und die bronzene Kirchentür mit den Thesen aus der gleichen Zeit. Im Inneren befinden sich die Gräber von Luther und Melanchton.

Der Wörlitzer SchlossparkDer Wörlitzer Schlosspark, den wir am nächsten Tag besuchten, ist seit 2000 als „eine der sinnbildlichsten und repräsentativsten gestalteten Landschaften Europas“ Weltkulturerbe. Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, der von 1758-1817 regierte, ließ mit den Wörlitzer Parkanlagen den ersten Englischen Landschaftsgarten auf dem europäischen Kontinent als Gesamtkunstwerk anlegen. Das von seinem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf erbaute Schloss ist das erste klassizistische Bauwerk auf dem europäischen Kontinent.

Das Bauhausgebäude in DessauWegen Niedrigwasser im Park liegen einige Kanäle trocken und die Fähren sind außer Betrieb. Die trotzdem lohnende Gondelfahrt auf dem Schlossteich ermöglichte uns verschiedene Sichtachsen und bei dem Rundgang um den Park kamen wir an der Insel Stein mit der Villa Hamilton und dem Vesuv sowie am Pantheon vorbei. Beim Rückweg über Dessau konnten wir noch das Bauhausgebäude besichtigen und die Meisterhäuser besuchen.

Die Thomaskirche in Leipzig

 

Einen ganzen Tag für Leipzig hatten wir für den dritten Tag geplant. Unser Stadtführer Silvio holte uns wieder am Hotel ab und erklärte uns schon viel auf der Fahrt. So kamen wir am Lutherstein vorbei, der an der Stelle steht, an dem die Studenten, die Luther auf dem Weg zum Streitgespräch mit dem Ingolstädter Theologen Johannes Eck nach Leipzig begleiteten, umkehren mussten, um noch vor Eintritt der Dunkelheit die Stadttore in Wittenberg passieren zu können.
Unsere Stadtbesichtigung in Leipzig begannen wir in der Thomaskirche. Sie stammt ursprünglich aus dem 12. Jhdt., in dem auch bereits der berühmte Thomanerchor gegründet wurde, und wurde 1496 zur spätgotischen Hallenkirche umgebaut. Berühmt ist die Kirche aber vor allem, weil in ihr Johann Sebastian Bach von 1723 bis zu seinem Tod 1750 Kantor und Städtischer Musikdirektor war.

Werke wie die Matthäus-Passion entstanden hier und noch heute kann man bei Gottesdiensten und Konzerten dort die Thomaner singen hören. Leipzig war vor allem Handelsstadt und um 1900 herum wurden viele eindrucksvolle Gebäude mit Passagen gebaut, die erhalten geblieben und inzwischen wieder saniert sind. So kamen wir auf dem Weg zur Nicolaikirche durch Barthels Hof und die Mädler-Passage, in der sich auch der berühmte Auerbachs Keller befindet.

Durch Specks Hof erreichten wir die Völkerschlachtdenkmal in LeipzigNicolaikirche, eine gotische Hallenkirche aus dem Jahr 1555. Sie überrascht im Inneren durch einen hellen Innenraum, der Ende des 18. Jhdt. nach den neuesten Moden des französischen Klassizismus mit Säulen, die zu Palmen aufwachsen, gestaltet wurde. Weltweite Bekanntheit erhalten hat die Kirche aber vor allem, weil von ihr 1989 die friedliche Revolution in der DDR ihren Ausgang nahm, wozu uns unser Stadtführer Silvio auch einige Informationen vermittelte.
Das (Neue) Gewandhaus und davor der Mendebrunnen

 

Nach der Mittagspause haben wir bei einer Stadtrundfahrt mit unserem Bus das Graphische Viertel, Plagwitz und schließlich das Völkerschlachtdenkmal gesehen, das 1913 zur 100. Wiederkehr der Völkerschlacht von Leipzig eingeweiht wurde. Das vor dem Denkmal befindliche große Wasserbecken soll als Meer der Tränen die in der Schlacht vergossenen Tränen und das Blut symbolisieren.

Endpunkt unserer Rundfahrt war der Augustusplatz, an dem sich die Universität, das City-Hochhaus, die Oper, und das Konzerthaus des Gewandhausorchesters befinden, weitgehend DDR-Bauten, weil Walter Ulbricht dort die erste Universität im sozialistischen Stil errichten wollte.

Der Augustusplatz in Leipzig

Am letzten Tag auf der Rückfahrt nach München haben wir Halle besucht. Einige Interessierte sind am Museum für Vorgeschichte ausgestiegen und haben sich das dort ausgestellte Original der Himmelsscheibe von Nebra angesehen, die bislang älteste konkrete Darstellung des Kosmos, die vor 3600 Jahren zusammen mit anderen wertvollen Gegenständen auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra vergraben wurde.

Im Händelmuseum in der Nikolaistraße 5–6 in Halle

 

 

Alle übrigen machten noch eine Rundfahrt durch Halle zur Burg Giebichenstein und zur Moritzburg und endeten am Marktplatz. Im Händel-Haus ließen wir uns, von Händel-Musik begleitet, das Leben Georg Friedrich Händels erzählen und beendeten unsere Jahresfahrt „satt“ mit Eindrücken und der letzten Einkehr in den Prager Bierstuben.

Und wie alles auf der Fahrt, klappte es auch pünktlich mit der anvisierten Abfahrt um 14 Uhr und unser Busfahrer Markus brachte uns wieder gut nach München zurück.

Reisebericht von Manfred Kleeberger – Fotos Gisela Glass.