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Keine Angst vor dem Defibrillator
Ein grünes Quadrat mit weißem, von grünem Blitz durchzuckten Herzen und mit weißem Kreuz in der rechten oberen Ecke verweist in vielen U-und S-Bahnhöfen und an anderen öffentlichen Plätzen in und um München auf einen Defibrillator. Neugierige studieren vor der Einfahrt ihres Zuges die Gebrauchsanleitung und fragen sich, ob sie im Notfall mit dem Gerät umgehen könnten. Ich gestehe, diese Frage für mich bisher verneint zu haben. Allein der Begriff „Schockabgabe“ ließ mich ängstlich zurückschrecken. Scheide ich also im Ernstfall als Ersthelfer bei Herz- und Kreislaufstillstand eines Mitmenschen aus? Das gilt nicht mehr seit meiner Teilnahme an einem Kurs im Lehrinstitut für Präklinische Rettungsmedizin.
Albert Höglmeier, angeregt durch eine Fernsehsendung, hatte den Kontakt zum Institut hergestellt. „Wir beschäftigen uns im SeniorenNet-Sued e.V. nicht nur mit Computern, sondern wollen unseren Mitmenschen bei plötzlichem Herzversagen helfen können.“ Für eine Gruppe von 13 Mitgliedern ergab sich so die Möglichkeit, in einem gründlichen Kurs den Umgang mit dem Defibrillator und allgemeine Maßnahmen im Notfall zu erlernen. Herr Michael Laberer, Schulleiter, Lehrrettungsassistent, Lehrer im Rettungsdienst und Heilpraktiker, ließ es sich nicht nehmen, ausnahmsweise uns Laien zu unterrichten, und zwar theoretisch und praktisch derart gründlich, dass alle Teilnehmer künftig fachkundig als Ersthelfer und Lebensretter auftreten können.
Jährlich sterben in Deutschland mehr als 130 000 (im letzten Jahr sogar 160 000) Menschen – auch augenscheinlich Gesunde – am plötzlichen Herztod. Alle Altersklassen sind betroffen. Nur 5 – 8 % überleben. Bei mehr als 70 % der Patienten liegt initial Kammerflimmern vor. Gerade in diesen Fällen kann die frühe Defibrillation die Störung beseitigen und das Herz wieder zum Schlagen bringen. Das ist die einzige Chance. Im Notfall zu warten, bis professionelle Hilfe kommt, ist gefährlich, weil bereits nach wenigen Minuten irreparable Hirnschäden eintreten und in jeder Minute ohne suffiziente Sofortmaßnahmen die Überlebenschance um etwa 10% sinkt. Die Schulung von Laien im Umgang mit dem Defibrillator soll helfen, mehr Leben zu retten.
„Was mache ich als Ersthelfer in den fünf bis zehn Minuten, bis die professionellen Retter kommen?“ Wir müssen drei Situationen unterscheiden, die unabhängig vom Ort des Auffindens und vom Alter eines Patienten sind:
- Der Patient ist ansprechbar, äußert sich, schreit, was auch immer. Ich alarmiere den Rettungswagen. (Kein Gerät)
- Der Patient ist bewusstlos, atmet aber normal. Egal, weshalb er bewusstlos ist, bringe ich den Liegenden in die stabile Seitenlage, sorge dafür, dass der Mund frei ist und nach unten zeigt (Erstickungsgefahr) bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. (Kein Gerät)
- Der Patient ist leblos. Er atmet nicht mehr oder zuckt nur noch 2 – 3mal. Reanimationsbemühungen sollten sofort ohne Pulskontrolle beginnen. Der Rettungsdienst ist zu alarmieren. In den U-Bahnhöfen reicht es, die Notruftaste zu drücken. Der Defibrillator wird sofort freigegeben. Die Spachanweisungen beginnen nach dem leichten Öffnen des Gerätes und führen durch die gesamte Wiederbelebung. Der Helfer (Das kann ich sein!) klebt gemäß Anweisung die beiden Elektroden auf den entblößten Oberkörper des Patienten, eine Elektrode auf dessen rechte Seite oben, die andere links weiter unten noch auf die Rippen. Das Gerät analysiert selbst, ob eine Defibrillation erforderlich ist. Dazu entfernen sich alle Helfer vom Patienten, um das Gerät nicht zu irritieren. Kommt die mündiche Aufforderung zum Drücken der roten Schocktaste, ziehen sich alle Helfer auf einen Sicherheitsabstand von etwa einem Meter zurück. Erst dann und ohne Anfassen des Patienten oder der Elektroden darf der Schock ausgelöst werden. Anschließend wird der Helfer angewiesen, den Thorax mit 30 Herzmassagen zu komprimieren und den Patienten zweimal zu beatmen. Das ist anstrengend, deshalb ist es gut, wenn weitere Helfer einspringen können. Nach etwa zwei Minuten kann ein erneuter Schock notwendig werden. Herzmassagen und Beatmung sichern die Hirndurchblutung.
Es versteht sich von selbst, dass das Gerät nicht auf elektrisch leitendem Untergrund oder in explosionsgefährdeter Umgebung angewendet werden darf. Ist kein Defibrillator zur Hand oder ist der Patient zu jung (etwa unter 8 Jahren und bis 35 kg Gewicht), helfen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ständige kräftige Herzmassagen, während der Patient auf festem Untergrund liegt.
Aus gegebenem Anlaß zeigte uns Herr Laberer, wie man alleine einen schweren Patienten aus der Sitzposition auf den Fußboden legen kann. Das mag äußerst schwer sein, ist aber für die Sofortbehandlung unumgänglich. Auch die rechtliche Situation wurde besprochen und gab uns Sicherheit, im echten Notfall helfen zu dürfen.
Wir verließen den Kurs mit der Erkenntnis: Es ist leicht, als beherzter Ersthelfer den Versuch zu unternehmen, Leben mit dem Defibrillator zu retten. Keiner ist für die Bedienung zu alt oder zu schwach. Text: Annelore Voltz. Fotos: Dieter Lang.

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