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Jahresausflug nach Weimar vom 21. – 24. 10. 2012

Die Reisegruppe trifft sich am HauptbahnhofThüringen und der südlichste Zipfel Sachsen-Anhalts waren Ziel der diesjährigen Jahresfahrt von SeniorenNet Süd. Wie im Vorjahr starteten wir mit einem Bus der Firma Richter aus Oberammergau am Sonntag pünktlich um 8 Uhr am Hauptbahnhof und kamen nach ruhiger Fahrt ohne Hindernisse kurz nach 14 Uhr im Hotel in Weimar an, wo wir zur Zimmerverteilung schon erwartet wurden.

Um 15.30 Uhr fuhren wir mit dem Bus in die Innenstadt  und zwei Stadtführerinnen führten uns in 2 Gruppen kenntnisreich durch die Altstadt Weimars. Die Namen Goethe, Schiller, Charlotte vom Stein, Herzog Carl-August  und Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar, Luther, Bach, Herder, Cranach und Wieland sollten wir in den nächsten Tagen  noch oft hören.Theaterplatz vor dem Wittumspalais

Auf dem Jakobskirchhof steht noch der Pavillon über der Gruft, in der Schiller 1805 beigesetzt wurde, bevor man ihn 1827 in die neu gebaute Fürstengruft  auf dem neuen – jetzt Historischen Friedhof überführt hat. Seit 2008 weiß man sicher, dass dabei die falschen Gebeine überführt wurden und der dort stehende Schiller-Sarg ist leer. Auch das Grab von Christiane Vulpius, der Frau Goethes, befindet sich auf dem Jakobskirchhof.

Das Goethe-Schiller-Denkmal WeimarDer Rundgang führte uns zum Nationaltheater, in dem die Weimarer Verfassung verabschiedet wurde, und vor dem das Denkmal von Goethe und Schiller steht, das von Ludwig I gestiftet und in München bei Ferdinand von Miller gegossen wurde. Im Wittums- palais lebte Herzogin Anna Amalia, nachdem sie die Regierungsgeschäfte ihrem Sohn übertragen hatte, und versammelte regelmäßig die geistigen Größen der Stadt in ihrem Salon. Das Schiller-Haus erbaute der Dichter 1802 und bewohnte es bis zu seinem frühen Tod 1805.Wir gingen zum Goethehaus am Frauenplan und sahen Goethes Gartenhaus von Weitem, standen vor dem Wohnhaus der Charlotte vom Stein gleich gegenüber der Anna-Amalia-Bibliothek, gingen über den Markt mit dem klassizistischen Rathaus, dem Hotel „Zum Elefanten“ und dem Cranach-Haus, in dem Lukas Cranach d. Ä. seine letzten Lebensjahre verbrachte. In der Herder-Kirche, eigentlich Stadtkirche St. Peter und Paul, predigte Luther und später Johann Gottfried  Herder viele Jahre.Köstritzer Schwarzbierhaus

Wir endeten vor einem der ältesten Fachwerkgebäude der Stadt im Köstritzer Schwarzbier-Brauhaus, wo einige das erste Mal das wohlschmeckende Schwarzbier probierten (und dann die ganzen vier  Tage dabei blieben) und Thüringer Küche, Klöße und Thüringer  Bratwurst genossen.

Am Montag fuhren wir mit dem Bus  in die Thüringer Landeshauptstadt Erfurt und parkten unseren Bus zentral am Busparkplatz unterhalb des Doms. Bei der ebenfalls in 2 Gruppen erfolgten  Führung durch die Erfurter Altstadt hatten wir hervorragende Führerinnen, die uns die Gassen der Altstadt mit ihren schönen Fachwerkbauten zeigten. Erfurt war im Mittelalter Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelsstraßen und erhielt vom Kaiser das Stapelrecht, das heißt, dass alle über Erfurt transportierten Waren dort zum Kauf angeboten werden mussten. Wichtigstes Handelsgut war Waid, eine Pflanze, die bis zur Einfuhr von Indigo aus Südamerika zum Blaufärben von Stoffen benötigt wurde. Das brachte der Stadt und ihren Bürgern großen Reichtum, den einige auch nach außen zeigten.

Domplatz in ErfurtWir kamen an der ehemaligen Synagoge aus dem 11. oder 12. Jhdt. vorbei, die erst nach Abriss einiger Schuppen vor einigen Jahren entdeckt wurde, und als älteste in Deutschland und zweitälteste in Europa gilt. Die Krämerbrücke ist das Wahrzeichen von Erfurt, eine  125 m lange, 18 m breite und mit 32 Fachwerkhäusern bebaute Brücke über die Gera mit kleinen Läden. Sie ist ein Pendant zur Ponte Vecchio in Florenz und präsentiert sich heute so, wie sie nach dem Stadtbrand von 1472 wieder aufgebaut wurde. Mittagessen gab es bei Rassmann´s in der Sackpfeifenmühle – und nach 1,5  Stunden  Freizeit, die jeder noch einmal zu einem Bummel durch die Altstadt und über den Anger mit seinen Jugendstilhäusern nutzen konnte, trafen wir uns zur Führung im Dom und der daneben stehenden Severikirche.

Erfurt Dom und Severi-KircheDer Dom, an dem 300 Jahre lang gebaut wurde, ist teils romanisch, teils gotisch und wurde 1465 fertiggestellt. Die im Turm aufgehängte Gloriosa ist die größte frei schwingende Kirchenglocke des Mittelalters.   Der ursprünglich romanische Dom, der auf die Gründung des Bistums Erfurt durch Bonifatius im Jahr 742 zurückgeht, wurde in der Gotik durch den Hohen Chor zur Stadtseite hin erweitert, was gewaltige Unterbauten, sogenannte Karvaten, erforderte, um den Anbau auf Bergniveau zu bringen. Romanisch sind noch eine Madonna aus Stuck und die Bronzeplastik des Leuchtenträgers. Das Chorgestühl im HohenChor stammt aus dem Jahr 1329, die Glasfenster sind zum Teil noch original und stammen aus dem 14. Jhdt., während der barocke Hochaltar 1697-1707 entstanden ist.

Ankunft der Reisegruppe in ErfurtNicht weniger eindrucksvoll ist die nebenan stehende Severikirche, gotisch  und in nur 40 Jahren Bauzeit bis 1335 errichtet. Sie beherbergt den um 1365 geschaffenen Sarkopharg des im Jahr 348 verstorbenen hl. Severus. Die Darstellung des Heiligen mit Frau und Tochter ist eine der großartigsten Leistungen deutscher Plastik aus dieser Zeit. Beeindruckend auch der spätgotische Taufstein. Um 18 Uhr fuhren wir nach Weimar zurück und hatten einen gemütlichen Abend im Restaurant der Felsenkeller-Brauerei, die extra für uns aufgemacht hatte.

Schloss BelvedereDienstag war unser Weimar-Tag. Der Bus brachte uns als erstes zum Schloss Belvedere, dem ehemaligen Sommersitz der großherzoglichen Familie und wir machten uns bei einem halbstündigen Rundgang einen Eindruck von den ausgedehnten großartigen Parkanlagen. Danach fuhren wir in die Weimarer Altstadt, wo jeder am Vormittag seinen Interessen nachgehen konnte.

Historischer FriedhofEin Teil der Gruppe besuchte den Historischen Friedhof mit der Fürstengruft, einer kuppelartigen Kapelle im klassizistischen Stil, in der 31 Mitglieder der herzoglichen Familie bestattet sind  und sich der  Sarg  von Goethe und der (leere)  von Schiller befinden. Auf der Rückseite angebaut ist die Russisch-orthodoxe Kapelle, die Ruhestätte der Großherzogin Maria-Pawlowna, und im Friedhof befinden sich die Grabstätte der Familie Goethe und der Freifrau vom Stein. Alle trafen sich dann irgendwann wieder im Goethe-Nationalmuseum mit seiner neuen, erst vor wenigen Wochen eröffneten Dauerausstellung über Goethe und seine Zeit und in Goethes Wohnhaus nebenan.

Herzogin-Anna-Amalia-BibliothekNachmittags hatten wir eine Führung in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, die 1691 als herzogliche Bibliothek gegründet wurde und heute als Forschungsbibliothek der deutschen klassischen Literatur in 2 unterirdischen Magazinen, die sich unter dem Platz vor der Bibliothek befinden,  über 1 Mio Bände beherbergt. Beim Ausbau entstand 2004 ein Großbrand, der den barocken Bibliotheksaal und viele wertvolle Bücher zerstörte. Den wiederaufgebauten Rokokosaal haben wir besichtigt, und da am Tag nach unserem Besuch der 5. Jahrestag der Wiedereröffnung war, filmte ein Fernsehteam des MDR einen Teil unserer Gruppe und zeigte die Bilder am nächsten Tag.

Nach dem Abendessen im „Schwarzen Bären“ am Markt besuchten wir noch eine Vorstellung „Goethe live – das große Interview“ im „Theater im Gewölbe“, das sich im Cranach-Haus am Markt befindet. Amüsant und spritzig wurde Goethe über sein Leben befragt.

Naumburger DomMittwoch  früh war unser Besuch in Weimar leider wieder zu Ende, aber es wartete noch eine Erlebnis auf uns. Über Apolda, die Gockengießerstadt, das Gelände der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 und Bad Kösen mit dem Käthe-Kruse-Museum fuhren wir nach Naumburg zur Besichtigung des großartigen Naumburger Doms. Der Dom St. Peter und Paul wurde von 1210 bis 1260 im spätromanischen Stil erbaut. Er besitzt als wohl einzige Kirche zwei Lettner am Ost- und Westchor. Der Lettner des Ostchors ist der älteste erhaltene Hallenlettner auf deutschem Boden

Im Naumburger DomDer Lettner des Westchors wirkt wie eine prächtig gestaltete Eingangsfassade zu einem Kirchenbau. In 8 Szenen wird die Leidensgeschichte Jesu dargestellt und der Eingang zum Westchor erfolgt unter den ausgestreckten Armen des gekreuzigten Jesu hindurch. Im Westchor befinden sich die wohl bekanntesten Statuen der deutschen Gotik, durch eine Urkunde aus dem Jahr 1249 oder durch Beschriftung bekannt. Es sind vor allem die beiden Hauptstifter Ekkehard II und seine Gemahlin Uta von Ballenstedt sowie Hermann und seine Frau Reglindis. Die Künstler, „Naumburger Meister“ genannt, kamen aus Frankreich und haben von dort die neuesten Techniken mitgebracht. Gebaut haben sie auch u. a. in den Domen von Mainz und Meißen,ihre Meisterwerke schufen sie jedoch im Naumburger Dom.

Markgraf Ekkehard II. von Meißen und Uta von BallenstedtWertvolle Kostbarkeiten des Mittelalters wie einen von Lukas Cranach geschaffenen Altarflügel, eine Pieta aus dem 14. Jhdt sowie eine Johannesschüssel aus dem 13. Jhdt. konnten wir noch im Domschatzgewölbe bewundern. Auf dem Weg zum Mittagessen am Marktplatz und zurück konnten wir noch etwas durch die Naumburger Altstadt schlendern. Danach um Punkt zwei – und da müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ihre Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gelobt werden – startete der Bus zurück nach München. Unser Busfahrer Werner Richter brachte uns wieder ruhig und sicher nach München zurück. Vier erlebnisreiche und schöne Tage waren damit zu Ende. Bericht: Manfred Kleeberger. Fotos: Edith Gräml.