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SeniorenNet Süd – Jahresfahrt 2016 nach Ludwigshafen

Ziel unserer Jahresfahrt vom 7. – 11. 9. 2016 war der Raum Heidelberg. Als Standort für unsere Erkundungen hatten wir wegen der hohen Hotelpreise in Heidelberg das Heinrich-Pesch-Haus der Katholischen Akademie Rhein-Neckar in Ludwigshafen gewählt und waren mit unserer Wahl sehr zufrieden.Start war um 7.30 Uhr in München Laim. Alle waren pünktlich da und unser Fahrer Helge Reiter brachte uns staufrei über die Romantische Straße zu unserem ersten Etappenziel Bad Wimpfen.

Altstadt von Bad Wimpfen mit vielen blumengeschmückten FachwerkhäusernDie hoch über dem Neckar gelegene ehemalige Kaiserpfalz und zeitweilige Reichsstadt mit ihrem mittelalterlichen Altstadtkern war vielen unbekannt und erwies sich als romantische Überraschung. Zwei Stadtführerinnen führten uns durch die Stadt, die noch über einen großen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer und einige Stadttore verfügt. Auf dem Weg hinauf zum Blauen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, sahen wir viele blumengeschmückte Fachwerkhäuser und entdeckten stille, malerische Winkel.

Blick vom Schwanengäßchen auf die Altstadt von Bad WimpfenEs blieb noch Zeit für eine Kaffeepause oder einen eigenen Bummel durch die Stadt, bevor wir unseren Weg nach Ludwigshafen fortsetzten. Geschickt konnten wir über Nebenstraßen einen Stau umfahren und kamen unterhalb der Burg Guttenberg – erstmals 1296 erwähnt – an den Neckar. Und von nun an folgte Burg auf Burg: rechts oberhalb von Gundelsheim die Burg Horneck, bereits im 8. Jhdt. im Besitz des Klosters Lorsch und nach 1420 für 100 Jahre Sitz des Deutschmeisters des Deutschen Ordens.

Oberhalb von Neckarzimmern die Burg Hornberg, bekannt durch Götz von Berlichingen, der die schon im 12. Jhdt. errichtete Burg 1517 erwarb und hier 11 Jahre im Hausarrest verbrachte.

Der Kornmarkt in der Altstadt von Heidelberg mit Madonnenstatue und Schloss-SilhouetteAuf der anderen Neckarseite auf der Höhe die kleine Burg Neuburg, ebenfalls aus dem 12. Jhdt. und heute Hotel. Danach wieder auf unserer Seite die Burgen Zwingenberg und Hirschhorn und in Neckarsteinach dicht hintereinander gleich 4 Burgen – Schadeck aus dem 14. Jhdt. und Vorder-, Mittel- und Hinterburg aus der Zeit um 1200. Gegenüber sahen wir die Burgruine Dilsberg von 1208, bis 1803 von den Pfalzgrafen genutzt und von dem kleinen Städtchen Dilsberg umbaut.

Durch Heidelberg fuhren wir nach Ludwigshafen, wo wir um 18 Uhr ankamen und nach dem Bezug unserer Zimmer das Abendessen auf der fackelbeleuchteten Terrasse des Hauses einnahmen.

Blick vom Schloss Heidelberg auf die Altstadt mit der Heiliggeistkirche und der Alten Neckar-BrückeDonnerstag früh holte uns Elke König, unsere Gästeführerin für die nächsten 3 Tage, am Hotel ab, und wir fuhren mit ihr nach Heidelberg. Auf einem kurzen Weg über den Kornmarkt gingen wir zur bereits 1890 eröffneten Bergbahn – einer Standseilbahn – und fuhren hinauf zum Schloss. Es war die wichtigste kurpfälzische Burg, bereits im 12. Jhdt. von dem Staufer Konrad gegründet. Aber bereits 1214 ging die Pfalzgrafenwürde an die Wittelsbacher über – und in den folgenden Tagen, ob in Heidelberg, an der Weinstraße, in Speyer oder Schwetzingen, sollten wir immer wieder auf Verbindungen zwischen Bayern und der Pfalz stoßen.

Der belebte Heidelberger Marktplatz mit der Heiliggeistkirche und dem HerkulesbrunnenDer Gesamteindruck des Schlosses entsteht durch die Einzelbauten, wird aber dominiert durch die Renaissancebauten des Ottheinrichsbaus (ab 1558) und den Friedrichsbau (ab 1601). Besichtigt haben wir im Schlosskeller das größte, jemals befüllte Weinfass der Welt und interessant war der kurze Durchgang durch das Apothekenmuseum. Das Schloss wurde im 30-jährigen Krieg, aber vor allem im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689-93 stark beschädigt – so wie die Stadt Heidelberg und weite Teile der Pfalz in diesem Krieg weitgehend planmäßig zerstört wurden – und ist seit einem Brand 1764 endgültig Ruine.

Blumenmeer im Kurpark von Bad DürkheimNach einem Rundgang durch die Altstadt hatten wir Freizeit und trafen uns an der Schiffsanlegestelle zur Überfahrt zum Kloster Neuburg wieder. Elke König führte uns durch die Klosteranlage und danach kehrten wir in der Klosterwirtschaft ein.

Freitag früh starteten wir nach Bad Dürkheim zu einem Rundgang durch den Kurpark, standen vor dem größten, aber nie mit Wein gefüllten Weinfass der Welt, und wanderten durch den Kurpark zur Saline. Alles war schon für den alljährlichen Dürkheimer Wurstmarkt aufgebaut, der am Nachmittag begann.

Auf der Weinstraße fuhren wir über Wachenheim und durch Deidesheim nach Neustadt an der Weinstraße, nicht überall, aber an vielen Ecken und in vielen Gässchen eine reizvolle Stadt.

Rathaus in Neustadt an der Weinstraße, der heimlichen Weinhauptstadt DeutschlandsBesonders interessant war die simultan genutzte Stadtkirche. Wie immer noch einige badische und pfälzische Kirchen wurde nach der kurpfälzischen Religionsdeklaration von 1705 die Kirche durch eine durchgehende Mauer geteilt und der Chor den Katholiken und das Kirchenschiff den Protestanten überlassen (die größte und älteste der deutschen Simultankirchen haben wir in Bautzen gesehen).

Nach der Mittagspause am Marktplatz ging es über Maikammer und Edenkoben zur Villa Ludwigshöhe, die sich König Ludwig I. ab 1846 im klassizistischen Stil errichten ließ und die er regelmäßig alle zwei Jahre bewohnte.

Blick von der Villa Ludwigshöhe in die Rheinebene und auf die Pfälzer WeinfelderNach einer Führung durch die Innenräume fuhr unser Bus weiter durch enge Sträßchen der Weindörfer zum Bio-Weingut der Familie Hoffmann in Göcklingen. Es war ein interessanter Besuch.

Sehr offen und ausführlich schilderte uns das Winzerpaar Probleme und Besonderheiten des biologischen Weinbaus und bei 4 Weinproben und einer wohlschmeckenden Winzerplatte ließen wir es uns gut gehen. Da wurde es dann schon spät, bis wir wieder im Hotel ankamen.

Der Speyerer Dom ist die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche und zählt seit 1981 zum UNESCO-WeltkulturerbeDom und Stadt Speyer standen am Samstagvormittag auf unserem Programm. Der Speyrer Dom gilt als die größte romanische Kirche der Welt, wurde von ca. 1030 – 1124 erbaut und verkörpert kulturgeschichtlich die Idee des mittelalterlichen Kaisertums.

Unsere Stadtführer erklärten uns rundum die einzelnen Bauphasen des Doms, der im Pfälzischen Erbfolgekrieg stark zerstört wurde. Nachdem die Pfalz zu Bayern kam, ließ König Max I. Josef den Dom als Bischofskirche wiederherstellen, König Ludwig I. steht dann für den endgültigen Wiederaufbau des romanischen Doms.

Die Maximilianstraße ist die Hauptgeschäftsstraße der Stadt Speyer und die ehemalige Prachtstraße Via Triumphalis der alten Kaiserstadt
Vor dem westlichen Querbau mit den beiden Vordertürmen, die im Auftrag Ludwig I. von dem Karlsruher Baudirektor Heinrich Hübsch errichtet wurden, steht der Brunnen, dessen große Schale zuletzt bei der Amtseinführung des jetzigen Bischofs mit Wein gefüllt wurde. Wir besichtigten die Unterstadt und die Gebäude an der Hauptstraße.

Zur Vertiefung des Inneneindrucks des Doms, einem Rundgang durch die Altstadt und ggf. dem Besuch des sehenswerten Jüdischen Museums blieb noch individuell Zeit, bevor wir zur nächsten Station unseres Tagesprogramms nach Worms aufbrachen.

Der Wormser Dom, auf dem höchsten Punkt der Innenstadt gelegen, ist das bedeutendste Bauwerk der Wormser RomanikDer Dom von Worms ist der kleinste der drei  romanischen Dome am Rhein (neben Speyer und Mainz). Mit seinen vier schlanken runden Türmen steht er auf dem höchsten Punkt der Innenstadt und wurde bereits von 1000 – 1025 unter Bischof Burchards begonnen. Der heutige Bau geht auf die Zeit der Staufer um 1181 zurück. Wenn auch die Stadt durch die Zerstörungen des 2. Weltkriegs stark gelitten und deshalb kein mittelalterliches Stadtbild mehr aufzuweisen hat, so hat uns unser Führer doch an zwei interessante Punkte geführt: der erhalten gebliebene jüdische Friedhof der Stadt (Worms gehörte neben Speyer einst zu den bedeutendsten jüdischen Ansiedlungen des Mittelalters in Europa) und das Reformationsdenkmal, auf dem alle bedeutenden Reformatoren und Orte der Reformation verzeichnet sind.

Abschluss des Tages war am Abend im Biergarten des „Maffebeier“, des ältesten Lokals in Ludwigshafen (die Stadt ist übrigens auch eine Gründung Ludwig I.).

Schloss Schwetzingen und der prächtige, im 18. Jahrhundert angelegte SchlossparkDer letzte Besuch unserer Jahresfahrt galt dem Schwetzinger Schlosspark. Die Anfänge des Schlosses liegen um 1350, als es ein kleines Wasserschloss war. Umgebaut und vergrößert wurde es um 1697, seine größte Blüte erlebte es aber in der Zeit unter Kurfürst Karl Theodor, der ab 1749 durch Ludwig von Sckell den Schlosspark umgestalten ließ (Karl Theodor, den die Münchner nicht liebten, hat in Heidelberg und Schwetzingen einen exzellenten Ruf, Sckell gestaltete in München den Englischen Garten).

"Wasserspeiende Vögel" ist einer der vielen schönen Brunnen und Wasserspiele im SchlossparkBeim geführten Rundgang durch den Schlosspark sahen wir nicht nur eine wunderschöne Blumenpracht, sondern auch verschwiegene Stellen wie das Badehaus und wasserspeiende Vögel und waren schließlich am Ende der Welt. Unsere Parkführerin hat uns auch einige Zahlen genannt: zu Zeiten Karl Theodors sorgten 1000 Bedienstete für Park und Hofstaat, heute wird der Park von 14 Gärtnern sowie beauftragten Fremdfirmen gepflegt – bei einer Größe von 72 ha und 8 ha Wasserspielen, was einer Größe von 100 Fußballplätzen entspricht (33 km Fußwege und 860 Linden).

Die Spargelfrau auf dem Schloßplatz in Schwetzingen vor dem Brauhaus zum RitterGegenüber vom Schlosseingang ist das Schwetzinger Brauhaus zum Ritter. Dort konnten wir noch unter Sonnenschirmen im Freien sitzen und wurden zum Mittagessen gut versorgt. Danach brachte uns Helge Reiter sicher und ohne Stau wieder nach München zurück.

Bericht: Manfred Kleeberger
Fotos: Gisela Glass