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SeniorenNet Süd – Jahresfahrt 2015 nach Quedlinburg

Die Jahresfahrt vom 13. – 17. September 2015 führte uns in den Harz, eine sowohl von der Natur wie auch der Geschichte interessante Landschaft in Deutschland.

Stolberg Europa- und Thomas Müntzer StadtStandort für unsere Erkundungen war die Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg und weitere Ziele waren Goslar mit dem Bergwerk Rammelsberg, Wernigerode, Halberstadt und der Brocken. Start war am Sonntag pünktlich um 7.30 Uhr am Scheidplatz. Die Fahrt verlief ohne Hindernisse, nur das in München schöne Wetter trübte sich in Richtung Norden ein. Für den Nachmittag war ein Zwischenstopp in der „Perle des Südharzes“, Stolberg, der Geburtsstadt Thomas Müntzers, eingeplant.

Es war nur eine gute Stunde, die wir dafür hatten, aber die hat sich gelohnt. In einer harmonischen Naturlandschaft finden sich vorbildlich restaurierte Fachwerkhäuser zu Füßen des eindrucksvollen Schlosses, der ehemaligen Residenz der Grafen zu Stolberg.

Stolberg wird auch die "Perle des Südharzes" genanntAm Marktplatz steht das prachtvolle Rathaus, davor ein erst 1989 errichtetes Denkmal für Thomas Müntzer und über die Rathaustreppe kommt man zur Martinikirche, wo wegen des Tags des Denkmals Orgelmusik ertönte. Ein Ort, der mehr Zeit verdient, als wir sie hatten.

Unser Tagesziel war unser Hotel in Quedlinburg, das wir gegen 5 Uhr am Nachmittag erreichten. Die Ausgabe der Schlüssel  und die Zimmerbelegung gingen sehr flott, so dass wir schon nach einer reichlichen halben Stunde zum Abendessen in die Quedlinburger Altstadt aufbrechen konnten, wo uns im Café “Zum Roland“ – das sich in mehreren zusammenhängenden Fachwerkhäusern gleich hinter dem Marktplatz befindet, ein“Pellkartoffelbuffet“ erwartete.

Die Kaiserpfalz in GoslarNachdem wir uns gestärkt hatten, wurden wir von zwei Nachtwächtern abgeholt, die uns durch das abendliche Quedlinburg führten.

Montag früh starteten wir nach Goslar. Die Kaiserpfalz, vor der unser Bus parkte, war auch die erste Station unseres Besichtigungstags in der Stadt. Sie wurde zwischen 1040 und 1050 unter Heinrich III. errichtet und war 200 Jahre lang eines der wichtigsten Zentren des Heiligen Römischen Reichs.

Rund 30 Kaiseraufenthalte, der Besuch Papst Victor II. 1056 und die Abhaltung mehrerer Reichstage und Synoden sind in Goslar nachgewiesen. Danach verlor die Kaiserpfalz ihre Bedeutung und wurde über Jahrhunderte als Lagergebäude und Viehstall genutzt, bis sie Anfang des 19. Jhdt. abgebrochen werden sollte.

Goslar in der AltstadtUnter der Regie des preußischen Staates wurde sie seit 1867 als Nationaldenkmal des Deutschen Kaiserreichs wiederhergestellt und im großen 50 m langen und 17 m breiten Kaisersaal wurden 700 qm Wandfläche zwischen 1879 und 1897 von dem Düsseldorfer Künstler Hermann Wilcenus mit Szenen aus deutschen Märchen und der deutschen Geschichte bemalt.

Die Stadt Goslar, über die sich Heinrich Heine in seiner „Harzreise“ recht enttäuscht äußert, weil sie zu der Zeit schon ziemlich arm war, verfügt über eine große Zahl schöner Fachwerkhäuser aus verschiedenen Epochen des Mittelalters und zahlreiche romanische und gotische Kirchen.

Das Rathaus in GoslarHerausragend ist das „Brusttuch“, ein Patrizierhaus hinter dem Rathaus, bemerkenswert das Stammhaus der Familie Siemens in der Altstadt und sehenswert das Hospiz zum Heiligen Kreuz, das im Mittelalter von reichen Familien für die Armenfürsorge gegründet wurde. Im gotischen Rathaus besichtigten wir den Huldigungssaal mit einer reichen Bemalung aus den Jahren 1505-20. Und um 12 Uhr sahen wir gegenüber dem Rathaus das Glockenspiel, das an die Bergwerksgeschichte Goslars erinnert.

Danach brachte uns der Bus zum Bergwerk Rammelsberg, dem Stadt und Region schon seit 968 ihren Reichtum verdanken. Das Bergwerk wurde 1988 stillgelegt und ist seitdem Museum und UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Rammelsberg mit seinem bekannten ErzbergwerkBegonnen haben wir unseren Bergwerksbesuch mit dem Mittagessen im Casino, trotz Vorbestellung leider schlecht organisiert. Aber wer mit dem Essen fertig war, konnte sich schon mal im Bergwerksmuseum informieren und da waren schon die Räumlichkeiten der Erzaufbereitung unglaublich imposant.

Mit Schutzhelm wurden wir dann durch den mehr als 200 Jahre bestehenden Roederstollen geführt, immer dem Wasser nach, das vom oberhalb gelegenen Staubecken durch das unterirdische Stollensystem auf riesige Wasserräder geführt wird, mit denen die Grube entwässert und das Erz nach oben gefördert wurde.

Waren wir morgens auf dem kürzesten Weg nach Goslar gefahren (und hatten den Brocken gesehen), so umrundeten wir auf dem Rückweg über Clausthal-Zellerfeld und Braunlage den Brocken, ohne nochmal etwas von ihm zu sehen, weil er wieder einmal von Wolken umhüllt war.

Das Rathaus in QuedlinburgDienstag haben wir den ganzen Tag in Quedlinburg verbracht.

Von unseren Stadtführern wurden wir am Hotel abgeholt und kamen auf dem Weg in die Altstadt zuerst durch die Neustadt, die ehemals selbständige Ackerbürgerstadt mit großen Höfen, vorbei am Geburtshaus von Dorothea Christiana Erxleben, der ersten Frau, die in Deutschland als Ärztin promovierte, und am Denkmal für Johann Christoph Friedrich Gutsmuts, dem Begründer des Schulturnens in Deutschland.

Über die Bodebrücke kommt man in die Altstadt, seit 1994 Weltkulturerbe der UNESCO, mit einem unglaublich großen, inzwischen umfangreich sanierten Bestand an mittelalterlichen Fachwerkhäusern.

Durch die „Hölle“ und am Rathaus vorbei kamen wir über den Markt zum ältesten Fachwerkhaus der Stadt und auf dem Weg zum Domberg führte uns der Weg über den „Vogelherd“ , wo der Sage nach Heinrich I. die Nachricht von seiner Wahl zum deutschen König erhalten haben soll.

„Herr HQuedlinburg Schlossberg mit Stiftskircheeinrich sitzt am Vogelherd
Recht froh und wohlgemut;
Aus tausend Perlen blinkt und blitzt
Der Morgenröte Glut …“

Nach dem Mittagessen im „Schlosskrug“ besichtigten wir die Stiftskirche. Schon um 800 entstand auf dem Schlossberg ein Adelsbau, die Quedlingaburg, die König Heinrich I. nach seinem Aufstieg zum König des Ostfrankenreichs zur Reichspfalz ausbauen ließ, und in der bis zum 2. Jhdt. mehrfach Reichstage stattfanden. Das Stift wurde 936 von seiner Witwe Mathilde gegründet und blieb bis zur Säkularisation 1802 bestehen. Die jeweiligen Äbtissinnen hatten die Oberhoheit über die Stadt. Die Grabstätten von Heinrich und Mathilde befinden sich in der Krypta der Stiftskirche.

Malerische Gasse in QuedlinburgZur Jahrtausendfeier 1936 wurde die Kirche von den Nationalsozialisten entweiht und zur Weihestätte der SS umgewandelt. Teile des wertvollen Domschatzes wurden Ende des 2. Weltkriegs von einem amerikanischen Offizier gestohlen und kamen erst nach einer abenteuerlichen Aktion vor 20 Jahren wieder nach Quedlinburg zurück.

Anschließend war Freizeit, um allein oder in kleinen Gruppen durch Gassen und Hinterhöfe der romantischen Stadt zu bummeln.

Und um 18.30 Uhr trafen wir uns im „Brauhaus Lüdde“ zum Abendessen, bei dem wir selbstverständlich die beiden hauseigenen Biersorten „Pubarschknall“ und „Knuttenforz“ (sie schmeckten besser als die Namen vermuten ließen) probieren mussten.

Fahrt auf den BrockenEine Harzreise ohne Brocken – das geht nicht. Und so fuhren wir am Mittwoch trotz unsicherer Wetterprognose nach Wernigerode, um in 1 ½ Stunden mit der Brockenbahn zum Brockengipfel auf 1142 m zu fahren. Sturm (80 km Windgeschwindigkeit), Nebel und Regen erwarteten uns – was sich viele von einem Mittelgebirgsgipfel so nicht vorstellen konnten (statistisch 306 Nebeltage im Jahr). Und wie schon Heinrich Heine in das Gästebuch des Brockenhauses geschrieben hat: „Große Steine, müde Beine, saure Weine, Aussicht keine. Heinrich Heine“

Aber interessant war der Besuch des Brockenhauses, bei dem man viel über Natur, Tourismus und Geschichte des Brockens – vor allem auch während der DDR-Zeit – erfahren konnte.

Schloß WernigerodeDie Brockenbahn brachte uns wieder nach Wernigerode zurück, nach Hermann Löns „die bunte Stadt am Harz“. Zwei Stadtführerinnen erwarteten uns am Bahnhof und zeigten uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt, von denen das spätgotische Rathaus die weitaus bekannteste ist. Von verschiedenen Stellen in der Stadt sahen wir schon das hoch oben liegende Schloss, wegen seiner vielen Türme und Zinnen auch „Neuschwanstein des Nordens“ genannt. Hinauf brachte uns die „Bimmelbahn“, die am Ende der Stadtführung schon auf uns wartete.

Die ursprünglich mittelalterliche Burg wurde nach dem Aufstieg des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode zum Stellvertreter Bismarcks als Vizekanzler des Deutschen Reichs und stellvertretenden preußischen Ministerpräsidenten im Stil des norddeutschen Historismus von 1862-85 ausgebaut.

Zur DDR-Zeit befand sich im Schloss ein Feudalismus-Museum, seit 1998 ist das Schloss Museum für Kunst und Kulturgeschichte des 19. Jhdt. und die 50 Räume, die besichtigt werden können, sind überwiegend wieder in den Originalzustand versetzt worden.

Blick auf WernigerodeBergab durch das Christianental wanderten wir eine knappe halbe Stunde zum „Hotel Mühlental“, wo wir unseren Abschlussabend verbrachten.

Harz-Sagen über die Teufelsmauer, die Walpurgisnacht auf dem Hexentanzplatz, die Entstehung des Kaiserteppichs im Quedlinburger Domschatz und das „fortgerutschte“ Wernigeröder Schloss trug Herwig vor und Manfred berichtete, was Dichter und Schriftsteller wie Goethe, Heine, Eichendorff und Kafka über den Harz zu erzählen haben.

Werner Richter brachte uns anschließend mit dem Bus wieder gut nach Quedlinburg zurück. Höhepunkt und Abschluss unserer Fahrt war am Donnerstag die Besichtigung des Halberstädter Domschatzes.

Der Dom in HalberstadtHalberstadt, seit 804 Bischofssitz und im Mittelalter eine der reichsten Städte Deutschlands, wurde im 2. Weltkrieg zu 82 % zerstört. Glücklicherweise ziemlich unversehrt blieben der Dom St. Stephanus und St. Sixtus und der ausgelagerte Domschatz. Der weitgehend stilreine gotische Dom, 1236-1486 an Stelle einer romanischen Kirche erbaut, enthält noch das Taufbecken und die mittelalterliche Triumphkreuzgruppe von 1220 aus der Vorgängerkirche über dem Lettner.

Und über den Domschatz, mit mehr als 650 Stücken einer der größten überhaupt, seine prachtvollen Goldschmiedearbeiten, Bischofsgewänder und den Abraham-Engel-Teppich aus der Zeit um 1150 konnten wir nur staunen. Überbieten ließ sich dieser Eindruck nicht mehr und so war der Besuch auch der Schlusspunkt unserer Harz-Reise.

Die vielen und vielseitigen Eindrücke der Reise werden unvergesslich sein. Ein Stau vor Naumburg kostete uns eine Stunde Zeit, aber sonst brachte uns unser Bus ruhig und sicher wie alle Tage vorher nach München zurück. Bericht: Manfred Kleeberger. Fotos: Gisela Glass.