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SNS-Jahresfahrt nach Görlitz und Breslau vom 5. – 9. 10. 2014

Ziel der diesjährigen Jahresfahrt war die Oberlausitz und Standort für die Erkundung der Region Görlitz – von Kennern nicht ohne Übertreibung als eine der schönsten Städte Deutschlands bezeichnet.

Start war SonnDer Görlitzer Marienplatztag um 8 Uhr wieder am Scheidplatz. Der Bus war pünktlich und alle waren rechtzeitig da, sodass einer reibungslosen Fahrt nichts im Weg stand. Unser Busfahrer Franz Kovac bot uns mittags Kaffee und Wiener Würstchen an und gegen 16.00 Uhr waren wir in Görlitz.

Nach dem AbendeStadtwächter Gunnar Buchwaldssen im Hotel begrüßte uns der Görlitzer Stadtwächter, der als Gunnar Buchwald auch unser Stadt- und Reiseführer für die nächsten Tage sein sollte, vor dem Hotel und führte uns unterhaltsam mit Görlitzer Geschichten durch die abendliche Altstadt. Am Rathaus ließ er den Löwen brüllen und zum Abschluss gab es in der Vorhalle eines der Patrizierhäuser für jede(n) einen Becher Kräuterlikör.

Görlitz Neues Rathaus am UntermarktNach unserem abendlichen Altstadtrundgang haben viele mit dem Weg über die Neiße-Brücke die ersten Schritte auf polnischen Boden unternommen und von der polnischen Seite den Blick auf das nächtlich beleuchtete Görlitz genossen. Görlitz – 1071 erstmalig erwähnt – war in seiner langen Geschichte böhmisch, sächsisch und zuletzt seit 1810 preußisch.

Die Altstadt ist geprägt von inzwischen zum großen Teil sanierten Gebäuden der Gotik und des Barock, als Görlitz durch den Handel mit Waid, einer Färbepflanze zur Tuchherstellung, reich wurde. Im 19. Jhdt. erlebte die Stadt u. a. als „Pensiopolis“ preußischer Beamter eine zweite Blütezeit, wovon viele gut erhaltene oder wieder sorgfältig renovierte Gründerzeitbauten zeugen. Und da Görlitz das Glück hatte, im 2. Weltkrieg nicht zerstört worden zu sein, kann man jetzt schön sanierte Gebäude aller Stilrichtungen sehen.

Görlitz  Das Heiliges GrabMontag spazierten wir als erstes zum Heiligen Grab, das auf Veranlassung des Görlitzer Patriziers Georg Emmerich Anfang des 16. Jhdt. nach Rückkehr von einer Pilgerreise nach Jerusalem als Kopie des dortigen Heiligen Grabes erbaut wurde. Da es im Lauf der Jahrhunderte weder zerstört noch umgebaut wurde, ist es heute originaler als das Grab in Jerusalem. Auf dem Weg durch das Nikoleiviertel und die Altstadt zu unserer Mittagspause im „Pauker“ konnten wir viele der am Abend vorher bereits gesehenen Häuser nochmals am Tag bewundern.

Görlitz Stadtführung mit Stadtwächter GunnarBeim Mittagessen konnte, wer wollte, schon mal Schlesisches Himmelreich probieren, wobei echte Görlitzer wie unser Stadtführer Gunnar darauf hinweisen, dass die Stadt bis zu den Napoleonischen Kriegen sächsisch war und erst danach zu Preußen und damit zu Schlesien kam (und seit 1945 wieder zu Sachsen gehört, nachdem das übrige Schlesien polnisch wurde).

Görlitz Die Peterskirche ist das Wahrzeichen der StadtIn der Peterskirche, der im 13. Jhdt. errichteten größten Kirche der Stadt,  hörten wir eine erklärte Vorführung der dort im 17. Jhdt. von Eugenio Casparini eingebauten Sonnenorgel, die mit privaten Spenden vor einigen Jahren wieder hergestellt wurde. Wir hörten nicht nur schöne Musik, sondern erfuhren auch einiges über den Orgelbauer und sein Werk.

Danach wartete schon unser Bus auf uns, um uns zum Fuß der Landeskrone, des Görlitzer Hausbergs, zu bringen. Hinauf ging es mit dem „Stadtschleicher“ und oben gab es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch – vor allem vom Aussichtsturm –  einen fantastischen Blick auf Görlitz.

Dienstag früh starteten wir mit dem Bus nach Breslau und auf dem Weg dahin erfuhren Breslau Die Jahrhunderthalle - eingeweiht 1913wir viel über Schlesien und das heutige Polen. Unser erstes Ziel in Breslau war die Jahrhunderthalle. Der imposante Bau  wurde 1911-1913 als Erstlingswerk in Stahlbeton von dem Architekten und Stadtbaurat Max Berg als Veranstaltungs- und Messehalle errichtet. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 85 m und war bei ihrer Einweihung die größte Kuppelkonstruktion der Welt. Wir konnten die eindrucksvolle Halle nicht nur innen besichtigen, sondern (leider war die Zeit viel zu knapp) uns auch in einer kleinen Ausstellung über das Gebäude und seinen Erbauer informieren.

Breslau Das Alte Rathaus am RynekNach polnischem Mittagessen in gepflegter Atmosphäre am Marktplatz hatten wir Gelegenheit, uns diesen Platz rund um das Rathaus – mit seinen Abmessungen von 175 x 212 m nach Krakau der zweitgrößte Platz Polens – sowie das nach dem Krieg wieder aufgebaute Gebäudeensemble von Bürgerhäusern rund um das Rathaus anzusehen. Die Aula Leopoldina, die Bibliothek der Universität Breslau, war die nächste Station unseres Besuchs in Breslau.

Breslau Die Aula Leopoldina der UniversitätSie wurde 1731‑32 von Kaiser Leopold I. gestiftet und ist ein prachtvoller profaner Barocksaal. Nicht weniger eindrucksvoll war Oratorium Marianum, der Musiksaal der Universität, in dem das Deckenfries erst 2014 wieder hergestellt worden ist. Und auf dem Weg zum nächsten Ziel konnten wir noch einen Blick in die barocke Universitätskirche St. Mathias werfen. Über Dombrücke und Dominsel wanderten wir zum Dom und nach einem Rundgang durch die wunderschöne Kirche war der Tag schon wieder vorbei und unser Bus wartete zur Rückfahrt auf uns.

Am Mittwoch ginBreslau Die Johanneskathedrale auf der Dominsel der Oderg es von Görlitz aus nach Süden, zunächst zum Berzdorfer See, einem gefluteten Braunkohle-Tagebau, den wir schon zuvor von der Landeskrone aus gesehen hatten. Unser nächster Halt war dann am Kloster Marienthal, dem ältesten Frauenkloster des Zisterzienser-Ordens in Deutschland, das seit seiner Gründung 1234 bis heute ununterbrochen besteht. Die nach der Wende umfangreich sanierte barocke Klosteranlage von 1683 stand bei einem Neiße-Hochwasser 2010 über 2 m hoch unter Wasser, weshalb die Klosterkirche wegen der noch anhaltenden Renovierungsarbeiten nicht besichtigt werden konnte. Schön war auch der Garten mit in der Bibel vorkommenden Pflanzen in einem kleinen Innenhof auf der Rückseite des Klosters.

Das Kloster Marienthal bei Ostritz im NeißetalWeiter fuhren wir mit dem Bus nach Zittau und kamen kurz vor Abfahrt unseres Zuges nach Oybin am Bahnhof an. Die Zittauer Schmalspurbahn brachte uns kräftig qualmend mit einer Dampflok nach Oybin im Zittauer Gebirge.

Der hübsche Ort liegt am Fuß gewaltiger Sandsteinfelsen und besonders beeindruckend war die kleine, ganz aus Holz 1708‑1734 an den Felsen gebaute barocke Holzkirche. Auf der Fahrt durch das Zittauer Gebirge konnten wir interessante Felsformationen wie die Kehlsteine vom Bus aus betrachten und zum Mittagessen im Kurhaus Jonsdorf begrüßte uns der Wirt mit Drehorgel-Musik. Typisch für die Region sind die auf einem hölzernen Unterbau errichteten Umgebindehäuser, die wir besonders eindrucksvoll in Obercunnersdorf, durch das wir mit dem Bus zu unserem nächsten Ziel fuhren, betrachten konnten.

Und so näherten wDie Bergkirche im Kurort Oybin im Zittauer Gebirgeir uns schon Herrnhut, einem weiteren Höhepunkt unserer Tage in Görlitz. Die Entstehung der „Brüdergemeine“ geht auf das Jahr 1722 zurück, als protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen hier Exil fanden und ihnen Reichsgraf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf die Gründung einer Ansiedlung ermöglichte. Bald wurde die Brüdergemeine Ausgangspunkt  intensiver Missionsarbeit in Amerika, Afrika und Australien, auf Grönland und Neuguinea, wovon  noch  heute  zahlreiche dort existierende Glaubensgemeinschaften zeugen.

Im Showroom der Sternemanufaktur HerrnhutEin sehenswertes und anerkanntes Völkerkundemuseum hat sich aus dieser Historie in Herrnhut entwickelt. Das stand nicht auf unserem Programm, aber bei der Herstellung der inzwischen weltberühmten Herrnhuter Sterne konnten wir zusehen und einiges über die Entstehungsgeschichte erfahren. Am Abend im „Nachtschmied“ präsentierte uns die Gruppe „Rosmarin“ unter Mitwirkung unseres Stadtwächters Gunnar und einiger unserer Gruppenmitglieder das „Schankhausspektakel“ und zum Abschluss und als Quasi-Zugabe der Wirt unseres Lokals auch noch die schaurige Geschichte vom Nachtschmied.

Bautzen Altstadt  und der "Schiefe Turm von Bautzen", der ReichenturmDonnerstag war schon wieder Abschied aus Görlitz angesagt, aber es wartete noch eine weitere sehenswerte Stadt auf uns. Bautzen, die barocke sächsische Verwaltungsstadt auf einem Granitplateau hoch über der Spree besichtigten wir unter sachkundiger Führung Gunnars. Der schiefe Reichenturm ist Teil der noch weitgehend erhaltenen Stadtmauer und prägt mit weiteren Türmen und Stadttoren das Bild der Stadt.

Der spätgotische Dom von 1457 wird in der Mitte durch ein Gitter geteilt und seit 1524 von beiden christlichen Konfessionen gemeinsam genutzt. Er war sogar bis vor wenigen Jahren Bischofskirche der katholischen Diözese Dresden-Meißen und der Bischof hatte im Bischofspalast nebenan seinen Sitz. Wegen Renovierungsarbeiten konnten wir die Kirche leider innen nicht besichtigen.

Bautzen Blick auf die Alte Wasserkunst und MichaelskircheDie Ortenburg wurde vor über 1000 Jahren von den Markgrafen von Meißen auf einem Felssporn über der Spree errichtet. Im Innenhof befindet sich das sorbische Museum für die in der Lausitz lebende sorbische Minderheit, die seit dem 10. Jhdt. ihre Sprache und ihr Brauchtum erhalten hat. Und in den Neubau des Veranstaltungsgebäudes im Innenhof der Ortenburg wurde das ursprünglich für die Semper-Oper in Dresden gedachte Giebelteil mit Darstellungen aus der griechischen Antike integriert.

Bautzen Panoramablick von der Friedensbrücke auf die AltstadtWir wanderten durch die Altstadtgassen noch zur „Wasserkunst“, die seit 1496 bis in die Neuzeit durch ein ausgeklügeltes Pumpsystem die Stadt mit Wasser versorgt hat, und konnten vom Aussichtspunkt daneben einen Blick auf die Altstadt und das Spreetal werfen. Danach verabschiedete sich Gunnar von uns, wir stärkten uns für die Rückfahrt noch im „Brauhaus“ und auf der Rückfahrt ermöglichte uns unser Fahrer Franz Kovac mit einem nicht so ganz legalen Halt auf der Spreebrücke noch einen Fotoschuss auf die Bautzener Altstadt.

Auf der Autobahn  hatten wir eine ruhige und freie Fahrt  und kamen früher als erwartet in München an. Es war eine erlebnisreiche und harmonische Jahresfahrt, bei der wir viel Neues gesehen und erfahren haben und sich auch die Teilnehmer untereinander besser kennenlernen konnten. Bericht von Manfred Kleeberger. Fotos von Ursula Roseeu und Gisela Glass

Diesen Bericht ergänzt eine Diaschau mit wunderschönen Fotos von Ursula Roseeu, die unsere Mitglieder unter AKTUELLES im Internen Bereich mit „Picasa Bilderforum SNS Diaschau Görlitz Breslau“ aufrufen  können.